Ingwersen: Noten aus dem Umsatztief holen
Peter A. Ingwersen, seit Jahrzehnten Musikverleger unter anderem bei Cyclus, hat mit copyhall, das online urheberrechtlich geschützte Noten anbietet, eine enge Zusammenarbeit vereinbart. Erster Lizenzgeber wird Roba Music mit über 10.000 Titeln, aber weitere kleine Verlage haben angekündigt, sich auch copyhall anzuschließen, um so die Umsätze im Notengeschäft deutlich zu verbessern. Wie die copyhall arbeitet, erläuterte Verleger Peter A. Ingwersen in einem Gespräch mit "musik & multimedia".
Sie haben mit der Firma netop AG, die copyhall herausbringt, eine enge Zusammenarbeit vereinbart, um den legalen Noten-Download weiter auszubauen. Dieses Online-Shopping ist natürlich nur dann möglich, wenn Sie die Lizenz von Verlagen erhalten. Was hat Sie motiviert, diese Firma hierbei zu unterstützen?
Peter A. Ingwersen: Natürlich gibt es bereits viele Möglichkeiten, sich im Internet Noten zu beschaffen, ob beim Online-Shopping oder im Download. Oft sind diese Angebote allerdings mit erheblichen Schwächen in den Konzeptionen, der Sicherheit oder der Kundenfreundlichkeit belastet. Heute können Sie selbst Standardsongs kaum finden, weil z.B. Komponisten und Interpreten meist nicht getrennt sind. Viele Werke sind lediglich als Teil eines Albums in das Internet gestellt und nicht als Einzelausgabe erhältlich. Dazu kommt, dass viele Angebote im Online-Shopping vergriffen sind, weil sie nicht On-Demand gedruckt, sondern aus einem Notenlager geliefert werden. Das kostet Zeit und viele Kunden resignieren dann schon. Darüber hinaus sichern viele dieser Angebote nicht die Rechte der Urheber und Verleger.
Was sind denn nun die Grundlagen von copyhall?
Peter A. Ingwersen: copyhall hat mit hohen Kosten eine Plattform auf Oracle-Basis weiterentwickelt. Sie bietet eine hohe Sicherheit gegen die unautorisierte Weiterverbreitung. Es wird lediglich der digitale Notensatz in die Internetplattform eingestellt, Preis- und Repertoiregestaltung erfolgt durch unsere Partner, die Verleger, bei Beachtung der Preisbindung für Noten in Deutschland. Wir versuchen auch, ein enges Verhältnis mit dem Musikalienhandel und Großabnehmern wie Chor- und Orchesterleitung, kulturelle Institutionen aufzubauen. Der Schutz der Urheber steht bei uns an erster Stelle.
Wie muss man sich den Download bei copyhall vorstellen?
Peter A. Ingwersen: Der speziell entwickelte copyhall Reader macht es möglich, dass man zum Teil das Notenbild kostenlos lesen kann und dann nur den einmaligen Ausdruck des ausgewählten und bezahlten Titels ermöglicht. Eine Speicherung der Daten auf dem PC des Bestellers wird von uns jedoch verhindert. Bei einem Selbstausdruck erhält der Kunde einen Preisnachlass, der berücksichtigt wird, dass er ja selbst die Noten herstellt und evtl. gewisse Abstriche in der Qualität in Kauf nimmt, abhängig von seinen Druckmöglichkeiten. Auch Musikalienhändler sowie andere Großabnehmer wie Chöre, Orchester und Musikschulen können Noten nach demselben Prinzip selbst ausdrucken. Für den Weiterverkauf an Endkunden sollten die Musikalienhändler jedoch sicherstellen, dass ein professioneller Ausdruck erfolgt. Nur so bleibt der Notenverkauf auch attraktiv. Zu den üblichen Händler- und Großabnehmer-Rabatten wird zusätzlich der Abschlag für den Selbstausdruck eingeräumt. Wir planen die Einführung eines Erkennungszeichens, das bei Selbstausdruck eine davon hergestellte Kopie kenntlich macht.
Kommen wir zum Online Shopping ausgedruckter Noten an Endkunden. Wie funktioniert das?
Peter A. Ingwersen: copyhall garantiert einen professionellen Ausdruck bestellter Noten auf Notenpapier im vorgesehenen Format und nach Vorgabe der Verlage mit einem Notenumschlag oder Deckblatt. Der Ausdruck wird jeweils nach Erhalt der Bestellung vorgenommen (Print-on-Demand); die Lieferung der ausgedruckten Noten an Endkunden erfolgt durch copyhall zum Verkaufspreis zuzüglich Versandspesen, an Musikalienhändler und Großabnehmer natürlich zum Verkaufspreis abzüglich der vom Verlag festgelegten üblichen Rabatte und Konditionen. Print-on-Demand bedeutet: Alle Noten werden kurzfristig lieferbar sein. copyhall legt vierteljährlich bei den Verlagen eine Abrechnung vor. Diese erhalten eine Beteiligung an den tatsächlich erzielten Preisen aller Downloads und im Online-Shopping verkaufter Noten. Für den Verlag ist lediglich die Erstellung des Notensatzes erforderlich. Die Kosten hierfür sind durch die digitalen Möglichkeiten ja bereits deutlich geringer geworden. Das bedeutet die Entlastung von allen Aktivitäten und Risiken des traditionellen Notengeschäfts für die Verlage. Damit meine ich Druck und Nachdruck, Lagerhaltung, Versand, Rechnungsstellung und Mahnwesen. Die Preisgestaltung bleibt natürlich beim Verleger, ebenso die Repertoiregestaltung.
Wir können mit copyhall alle Zielgruppen erreichen; eine zügige Erweiterung auf Länder außerhalb des deutschsprachigen Raums ist vorgesehen. Ich glaube auch, dass damit das Notengeschäft wieder größere Impulse bekommt. Es gibt keine weißen Flecken mehr, wo man Noten nicht oder nur unter großen Schwierigkeiten kaufen kann, sondern copyhall ist immer 24 Stunden am Tag bereit, Bestellungen entgegen zu nehmen und umgehend zu liefern. Ich glaube, mit dem copyhall Geschäftsmodell bieten wir wohl weltweit die größte Sicherheit gegen missbräuchliche Verbreitung von Noten.
